Volle Bars und spanische Gelassenheit in Andalusien

  Blick auf Alhambra Urheberrecht: © L.Greiner
21.06.2022
  Lennart in Granada Urheberrecht: © L. Greiner

Südspanien, das hört sich ganz gut an, dachte sich Lennart, als er sich in seinem dritten Semester für ein Erasmus-Auslandssemester in Granada bewarb. Damals ist ihm noch nicht bewusst gewesen, dass Granada eine lebendige Studentenstadt umgeben von Bergen und in der Nähe vom Meer ist. In Granada gibt es viel mehr zu sehen als die berühmte Alhambra-Festung.

Im Januar 2021 bewarb sich Lennart über Erasmus für zwei Auslandssemester mit der Hoffnung, dass die Vorlesungen in Spanien endlich wieder in Präsenz stattfinden würden. Nach einer Zusage im Februar, flog Lennart dann Ende August nach Malaga und fuhr von dort aus mit dem Bus nach Granada. Da es in Granada üblich ist, eine Wohnung erst vor Ort zu suchen, hatte Lennart also keine Ahnung, was ihn in Granada erwartete.

Die ersten Tage verbrachte Lennart wie viele andere Erasmus-Studierende in einem Hostel und lernte sehr schnell andere Studierende kennen, sodass sich schnell kleine Freundesgruppen formten, mit denen man abends Tapas essen oder zum Feiern in den Club ging. Nebenbei besichtigte er Wohnungen, die in Granada mit 200 bis 300 Euro Miete pro Monat äußerst erschwinglich sind, und wurde schnell fündig. Am Wochenende unternahm Lennart mit den neuen Freunden Tagesausflüge nach Cordoba, Sevilla oder an die Strände am Mittelmeer, sodass sich die ersten paar Wochen ein wenig wie Sommerurlaub anfühlten.

Nach zwei Wochen, also Mitte September, begannen dann die Vorlesungen. Das Studium stellte sich schnell als angewandt und praxisorientiert heraus. Lennart empfand die Stimmung in den Kursen aufgrund einer geringen Anzahl von Studierenden in den Kursen als locker und persönlich. Dazu kam, dass die Dozierenden mit dem Vornamen angesprochen wurden. Im ersten Semester hatte Lennart vor allem Kurse mit vielen Exkursionstagen gewählt, da er während der Pandemie in Aachen nur zwei Exkursionstage absolvieren konnte. An der Universität Granada wird in jedem Fach mindestens ein Exkursionstag angeboten und die Exkursionsziele orientieren sich an Themen in den Vorlesungen. So besuchten sie zum Beispiel den Marmorsteinbruch in Macael, ein 5 Millionen Jahre altes Korallenriff inmitten eines Sedimentbeckens, mehrere aktive Störungszonen in der Nähe von Granada, analysierten Varven und Flussterrassen im Fach „Geologie des Quartärs“ und interpretierten Bohrprofile aus Bergseen in der Sierra Nevada. Von insgesamt 24 Exkursionstagen in zwei Semestern hat ihm am besten eine Exkursion an die Mittelmeerküste gefallen, wo sie die Faltung von hochmetamorphem Gestein analysiert haben und danach im Meer baden konnten.

  Tapas Urheberrecht: © L.Greiner

Eines der absoluten Highlights waren die Feiertage und Prozessionen in Granada. Während Ostern und an Fronleichnam wurden riesige Heiligenstatuen durch die Straßen getragen, begleitet von Blaskapellen und Menschen im Büßergewand und Kerzen. Auf den ersten Blick wirkte das alles etwas gruselig auf Lennart, aber irgendwie auch stimmungsvoll und festlich.

Besonders gut gefallen hat Lennart die Sierra Nevada mit dem Mulhacen, dem höchsten Berg der Iberischen Halbinsel. Zusammen mit Freunden ist Lennart dort zweimal Skifahren und im Sommer mehrmals Wandern gewesen. Mit dem Auto ist man innerhalb von 45 Minuten von der Stadt im Skigebiet. Neben 100 gut präparierten Pistenkilometern werden Erasmus-Studierenden sogar Vergünstigungen für den Skipass und für die Skiausrüstung angeboten. Generell ist Vieles in Granada für Studierende ausgelegt. Man hat kostenlosen Eintritt in die Clubs vor einer bestimmten Uhrzeit und man bezahlt bei fast allen Sehenswürdigkeiten einen vergünstigten Eintrittspreis.

Einen Großteil seiner Freizeit verbrachte Lennart in den zahlreichen Tapas-Bars in Granada. Dort bekommt man zu jedem Getränk, das man bestellt, kostenlos eine kleine Speise dazu – die sogenannten Tapas. Nach der Pandemie und dem einem harten Lockdown in Spanien, hatte Lennart das Gefühl, dass viele Spanier das nachholen, was ihnen während der Pandemie verwehrt geblieben ist: Bis Mitternacht wird in den Tapas-Bars draußen gesessen, sich unterhalten, getrunken und gelacht. Nachmittags zwischen 14 und 18 Uhr schließen die meisten Läden aufgrund der unerträglichen Hitze. Im Sommer lässt sich die Hitze laut Lennart am besten mit einem kühlem Tinto de Verano, also einem Rotwein mit viel Limonade, ertragen. Außerdem creme er sich morgens direkt mit Sonnencreme ein, um vor der Sonne gewappnet zu sein. Zum Glück seien die Bibliotheken gekühlt gewesen, sagt Lennart, sonst wäre die Klausurphase nur durch nächtliches Lernen zu ertragen gewesen.

Wer viele internationale Studierende kennenlernen will, günstig leben will, ein bisschen Spanisch spricht und mit einem schulähnlichen Unisystem gut klarkommt, dem empfiehlt Lennart Granada als Ort für ein Auslandssemester besonders. Da er nach den zwei Auslandssemestern im Bachelor aufgrund der Pandemie mehr Zeit in Präsenz an der Universität Granada als an der RWTH Aachen studiert hat, freut sich Lennart wieder auf die ersten Präsenzvorlesungen in Aachen und auf entspannte Abende im Westpark mit seinen Kommilitonen.