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  Prof. Buiter Urheberrecht: © GFZ Potsdam

Berufung 2.0: Vom Vorstand des GFZ Potsdams zur Leerprofessur an der RWTH

Liebe Frau Buiter,

am 2. Mai 2023 haben Sie zum zweiten Mal eine Berufungsurkunde vom Rektor der RWTH erhalten. Herzlichen Glückwunsch! Wie ist es zu Ihrer Berufung 2.0 gekommen?

Vielen Dank für die Glückwünsche! Im Mai 2022 wechselte ich die Stelle und wurde wissenschaftliche Vorständin des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ. Ich hatte das Glück, dass die RWTH an einer gemeinsamen Berufung interessiert war und so traf ich den Rektor innerhalb von drei Jahren ein zweites Mal für eine neue Berufungsurkunde.

Wie kann man sich Ihre Arbeit als wissenschaftliche Vorständin am GFZ in Potsdam vorstellen?

Viel zu tun :-) Sie ist äußerst vielfältig und reicht von nationalen und internationalen Kontakten, über politische Informationen auf verschiedenen Ebenen, Koordination mit anderen Helmholtz-Zentren, Projekten z.B. in Brandenburg bis hin zu personellen Aufgaben. Das GFZ ist führend in der Forschung der festen Erde. Wir beobachten die Veränderungen unseres Planeten aus dem Weltraum, auf der Erdoberfläche und im Erdinneren, untersuchen die Prozesse, die zu diesen Veränderungen führen, und schlagen die Brücke von der Grundlagenforschung zur Anwendung, mit dem Fokus auf Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen, seien es Georisiken oder der Klimawandel. Ich habe viele Meetings, online und persönlich, und eine ganze Menge Schreibtischarbeit. Ich liebe die vielen Kontakte.

An der RWTH Aachen übernehmen Sie jetzt die W3-Leerprofessur „Tektonik und Geodynamik . Was ist der Unterschied zwischen einer Leer- und einer Vollprofessur und welche Vorteile ergeben sich daraus für Sie und für den Standort Aachen?

Die Person, die eine "Leerprofessur" besetzt, hat eine zweite Stelle. Wie der Name schon sagt, ist die Professur "leer" und hat somit keine Büros oder Mitarbeitenden an der RWTH. Ich unterrichte 2 SWS und kann Doktoranden und MSc Studenten betreuen, aber ich kann keine Drittmittel für die RWTH einwerben. Ich freue mich darauf, die Verbindungen zwischen dem GFZ und der RWTH zu stärken, die bereits durch die gemeinsame Berufung von Magdalena Scheck-Wenderoth bestehen. Insbesondere der Fachbereich Geowissenschaften und Geographie und das GFZ eint das Ziel, Erkenntnisse aus der geowissenschaftlichen Grundlagenforschung in die Gesellschaft und Wirtschaft zu transferieren. Das GFZ bietet eine breite Palette an wissenschaftlicher Infrastruktur, die auch externen Forschern zur Verfügung steht. Informieren Sie sich auf unseren Webseiten über die Möglichkeiten!

  Foto von Prof. Buiter Urheberrecht: © IUGG/ Frank Woelffing

Werden Sie als Leerprofessorin weiterhin in die Lehre eingebunden sein und gibt es die M ö glichkeiten, bei Ihnen am GFZ Abschlussarbeiten zu schreiben?

Ich werde zwei Kurse pro Jahr unterrichten. Bislang sind dies "Principles of Plate Tectonics" und "Geodynamic Modelling", die ich als Blockkurse auf MSc-Ebene unterrichte. Ich hoffe, weiterhin Doktorandinnen und Doktoranden zu betreuen. Derzeit sind Stefan Back und ich Co-Betreuer von Julia Schmitz, und ich werde einen Doktoranden im EU MSCA-Doktoranden-Netzwerk "TALENTS" betreuen, das wir im vierten Anlauf gewonnen haben. Realistisch gesehen werde ich nur sehr wenig Zeit für MSc-Projekte haben, aber diese könnten in einem kollaborativen Umfeld gut funktionieren.

Sie waren ja insgesamt nur etwa zwei Jahre in Aachen. Was hat Ihnen so gut gefallen, dass Sie sich die RWTH als Standort für Ihre Leerprofessur ausgesucht haben?

Unsere Kolleginnen und Kollegen! Auch wenn durch die Pandemie die persönlichen Treffen eingeschränkt waren, habe ich den konstruktiven Austausch und die kollegiale Atmosphäre in unserer Abteilung sehr geschätzt. Als zweites Argument würde ich die exzellente Forschung in unserer Fachgruppe und an der RWTH anführen.

Welche Zukunftsthemen werden am GFZ für die Forschung innerhalb der nächsten 5-10 Jahre in den Geowissenschaften gesehen?

Das ist eine gute Frage und auch sehr aktuell, da sich das GFZ derzeit in einem Strategieprozess befindet, in dem wir unsere Vision für die nächsten 10-20 Jahre definieren. Da wir uns jedoch mitten in diesem Prozess befinden, werde ich Ihnen hier keine vollständige Antwort geben. Ich möchte jedoch zwei Punkte hervorheben: (1) Ein anhaltendes und zunehmend dringliches Thema ist der Klimawandel: Wir müssen die Auswirkungen des Klimawandels überwachen und analysieren und unser Fachwissen nutzen, um Geo-Lösungen zur Abschwächung dieser Auswirkungen beizutragen. Die Beispiele reichen von der Landschaftsüberwachung und Satellitenbeobachtungen (GRACE-FO und ab 2028 GRACE-C für die globale Gesamtwasserspeicherung) bis hin zu geothermischer Energie, CO2-Speicherung und anderen Lösungen für die Speicherung im Untergrund. (2) Um Geolösungen für gesellschaftliche Fragen anbieten zu können, müssen wir vielfältige Talente anziehen und halten. Der 'Fachkräftemangel' wird in den Geowissenschaften zu spüren sein, und ich hoffe, dass Universitäten und Forschungszentren gemeinsam dafür sorgen können, dass unsere Disziplinen sichtbar und wie bisher als attraktiv erlebt werden.

01.10.2023