Sozialgeographische Stadtforschung

  Türkei Stadtfoto Urheberrecht: Kulturgeo RWTH Aachen  

Urbanisierung und Alltagsmobilität in Muscat / Oman

Bearbeitung: Maike Didero und Carmella Pfaffenbach mit Sonja Nebel aus Berlin

Seit etwa vier Jahrzehnten erlebt die Hauptstadt des Sultanats Oman einen äußerst dynamischen Urbanisierungsprozess und eine zunehmende gesellschaftliche und räumliche Fragmentierung. Aufgrund des Flächenwachstums von Wohnvierteln und der dispersen Verteilung von Funktionen in der Hauptstadtregion Muscat ist das Verkehrsaufkommen kontinuierlich gestiegen. Trotz erheblicher Anstrengungen im Straßenausbau sind die Schnellstraßen täglich von Staus und Unfällen betroffen, was die Verkehrssituation zu einem gesellschaftlichen Dauerthema macht. Vor diesem Hintergrund untersucht das Forschungsprojekt das Zusammenspiel von Mobilitätspraktiken städtischer Haushalte und stadtstruktureller Gegebenheiten in Muscat.

Trotz der hohen Subventionierung des Benzinpreises sind Mobilitätsmöglichkeiten in Oman ungleich verteilt. Da diese auch über gesellschaftliche Teilhabechancen und subtile Formen der Exklusion entscheiden, kommt ihnen eine erhebliche gesellschaftliche Bedeutung zu. Das Forschungsinteresse richtet sich zudem auf die kommende Post-Oil-Ära, in der es auch im ressourcenreichen Oman darum gehen wird, wirtschaftliche und soziale Partizipationsmöglichkeiten zu erhalten und auszuweiten. Daher soll das Projekt dazu beitragen, Konzepte für kulturell akzeptable, sozial inklusive und ökologisch wie ökonomisch nachhaltigere Formen städtischer Mobilität und städtischer Strukturen aus der Perspektive der Bewohner zu entwickeln. Hierfür stützt sich das Projekt auf einen mixed-methods-Ansatz. So werden erstens die vorliegenden Raumstrukturen als Voraussetzung für Mobilitätspraktiken untersucht. Zweitens werden die Mobilitätspraktiken auf Haushaltsebene mit qualitativen und quantitativen Methoden erhoben. Experteninterviews dienen dazu die Perspektiven der lokalen Stadt- und Verkehrsplaner offen zu legen.

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Laufzeit: 2015 - 2018

 

Soziale Innovation von Graffiti-Murals in deutschen Städten

Bearbeitung: Christopher Hilmer

Der inhaltliche Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Bereich der kultur- und sozialgeographischen Stadtforschung. Persönliches und wissenschaftliches Interesse besteht im speziellen an der Gestaltung des Stadtraums mittels einer neuen Form von Wandbildern (Neo Muralism), welche durch kooperative Planungs- und Gestaltungsprozesse unterschiedlicher Akteure im (halb-)öffentlichen Raum globaler Agglomerationen des 21. Jahrhundert entstehen. Theoretisch werden diese interdependenten Aushandlungsprozesse als eine soziale Innovation verstanden/konzipiert, um einen akteurszentrierten und anwendungsorientierten Zugang zu ermöglichen. Im besonderen Maße wird dabei auf das ambivalente Phänomen einer Graffiti-Politik verwiesen und in diesem Zusammenhang das Dilemma, in welchem sich Akteure und Entscheidungsträger städtischer Planungs- und Entwicklungsschritte befinden, aufgezeigt. Auch gegenwärtige überregional bedeutsame stadtgestalterische Herausforderungen, wie zum Beispiel Strukturwandel/Deindustrialisierung, Digitalisierung und Reurbanisierung, werden in diesem Kontext mitgedacht, sowie konkrete Problemlagen und Planungskulturen »vor Ort« in Aachen anhand eines qualitativen Forschungszugangs mit den Sichtweisen der an Planungs- und Entscheidungsprozessen beteiligten Akteure, wie etwa der stadtbildgestaltenden Künstler, der Stadt- und Regionalplanung, Kultur- und Wirtschaftsförderung, Anwohner- und Besuchergruppen et cetera.

Laufzeit: seit September 2016

 

Alltagsmobilität junger Familien in der Metropole Ruhr

ACCESS Logo

Dissertationsprojekt im Rahmen des Forschungskollegs ACCESS! an der RWTH Aachen

Bearbeitung: Eric Suder

Die 2018 veröffentlichte Studie „Mobilität in Deutschland“ kommt zu dem Ergebnis, dass das Automobil nach wie vor das dominante Verkehrsmittel der Alltagsmobilität ist. Dies gilt insbesondere für Familien mit jungen Kindern, die verstärkt auf den Pkw zurückgreifen. Im Rahmen einer Interview-Studie in vier Kommunen der Metropole Ruhr untersucht dieses Dissertationsprojekt die Hintergründe, der Mobilitätspraktiken junger Familien im Alltag und der Frage, weshalb sich viele Familien für den Pkw entscheiden. Dabei rücken auch mögliche Herausforderungen wie ein geringes Zeitbudget und erhöhte finanzielle Ausgaben in den Forschungsfokus. Der Umgang mit solchen Herausforderungen und eine mögliche Verringerung der gesellschaftlichen Teilhabe aufgrund mobilitätsbezogener Barrieren werden im Rahmen des Projekts analysiert. Welche Strategien entwickeln beispielsweise Familien mit geringem Einkommen, Familien ohne eigenen Pkw oder Familien, bei denen beide Elternteile Vollzeit berufstätig sind? Im Sinne der Nachhaltigkeit wird darüber hinaus untersucht, welche Veränderungen des Angebots, der Infrastruktur aber auch des persönlichen Umfelds aus Sicht der interviewten Mütter und Väter nötig wären, damit Kommunen noch familienfreundlicher und die Familienmobilität zukünftig nicht mehr so stark Pkw-orientiert sein würde.

Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW
Laufzeit: 2016 - 2020