Migrantische Alltagsrealitäten

 

Integrationsprozesse asylberechtigter Flüchtlinge in nordrhein-westfälischen Städten und Gemeinden


Bearbeitung:Carmella Pfaffenbach und Francesca Adam mit Claus-Christian Wiegandt aus Bonn sowie Günther Weiss aus Köln

Die jüngste Flüchtlingszuwanderung nach Europa und Deutschland gilt als zentrale Herausforderung für das gesellschaftliche Zusammenleben in den kommenden Jahren. Dabei wird es künftig vor allem um die Frage gehen, wie bleibeberechtigte Flüchtlinge langfristig integriert werden können.
In diesem Projekt untersuchen wir Möglichkeiten und Grenzen der Integration für die zentralen Dimensionen Sprache, Wohnen, Arbeit und soziale Netzwerke aus den beiden Perspektiven der Flüchtlinge und der aufnehmenden Gesellschaft.
Hierzu nutzen wir einen qualitativen methodischen Zugang aus Intensivinterviews und gemeinsamen Begehungen im lokalen Wohn- und Lebensumfeld. Die Perspektiven zentraler Akteure der aufnehmenden Gesellschaft beleuchten wir mit Experteninterviews. Wir verfolgen die These, dass der Verlauf der Integration durch jeweilige lokale Kontexte beeinflusst wird. Daher führen wir unsere Untersuchung in der Stadt Köln und im Landkreis Heinsberg mit jeweils unterschiedlichen räumlichen Bedingungen durch.
Mit unserem Projekt werden grundlegende Erkenntnisse gewonnen, die eine Anpassung von integrationsfördernden Maßnahmen an die Voraussetzungen und Bedürfnisse der Fluchtmigranten erlauben. Die Ergebnisse werden auf mehreren Praxisworkshops mit Interviewpartnern, Experten und Bürgern diskutiert.

Gefördert durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes NRW
Projektlaufzeit: 10/2016 bis 08/2018

 

Hochqualifizierte Ausländer in nordrhein-westfälischen Städten – Zur Eingliederung der Migranten in die städtischen Gesellschaften vor dem Hintergrund kommunaler Integrations- und Internationalisierungspolitiken

Bearbeitung: Carmella Pfaffenbach und Daniela Imani zusammen mit Claus-Christian Wiegandt aus Bonn sowie Günther Weiss, Josef Nipper und Günter Thieme aus Köln

In dem Forschungsvorhaben soll untersucht werden, in welcher Weise sich hochqualifizierte Migranten in die Stadtgesellschaften eingliedern. Die Eingliederung wird zum einen aus der Perspektive der Migranten und zum anderen aus Sicht der Akteure der kommunalen Integrationspolitik beleuchtet. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, welche Strategien die Migranten zur Eingliederung entwickeln, welche Netzwerke vor Ort geknüpft werden und wie der neue städtische Raum wahrgenommen und genutzt wird. Auf kommunaler Ebene werden die städtischen Integrations- und Internationalisierungspolitiken sowie die Entwicklung entsprechender Maßnahmen oder Angebote für diese Gruppe untersucht. Durch die Betrachtung verschiedener Berufsgruppen in den vier Untersuchungsstädten Bonn, Düsseldorf, Essen und Köln wird ermöglicht, die Eingliederungsprozesse unter verschiedenen Rahmenbedingungen zu untersuchen. Auf Basis von qualitativen Interviews wird die Situation ausländischer „Bohemiens“, unter anderem Künstler und Publizisten, und „kreativer Professionals“, unter anderem Manager und leitende Angestellte, erarbeitet. Die Perspektive der kommunalen Ebene wird durch Gespräche mit Experten aus den Stadtverwaltungen und Interessenvertretungen und zudem durch ein Monitoring der Integrationspolitik untersucht. Konzeptionell verknüpft die Untersuchung individuelle Handlungsperspektiven der Migranten mit der Ebene der kommunalen Politik.

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft
Projektlaufzeit: 2012-2015

 

Planung einer nachhaltigen Siedlungslösung für Syrische Flüchtlinge in Jordanien

Bearbeitung:Muna Shalan

Seit Beginn des Konflikts in Syrien im Jahr 2011 hat Jordanien Flüchtlinge aufgenommen, die aus ihrem Heimatland vor Gewalt geflohen sind. Jordanien als ein Land mit knappen natürlichen Ressourcen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten musste sich mit weiteren Herausforderungen befassen, die sich aus der Präsenz der Geflüchteten ergaben. Angesichts der Tatsache, dass die Flüchtlingssituation länger andauert als anfangs gedacht, geraten die jordanische Wirtschaft, die öffentliche Infrastruktur und das Sozialwesen zunehmend unter Druck. Vor diesem Hintergrund wurde in der Herangehensweise des Landes an die Krise ein strategischer Übergang von rein humanitärer Reaktion hin zu Entwicklungsrhetorik beobachtet, was zu dem Jordan-Compact-Abkommen zwischen der Regierung Jordaniens und der internationalen Gemeinschaft führte. Das übergeordnete Ziel dieser Forschung ist es, einen Beitrag zur Planung einer nachhaltigen Übergangslösung zu leisten. Diese zielt darauf ab, die Lebensgrundlage der Schutzsuchenden zu verbessern und berücksichtigt gleichzeitig die Entwicklungsinteressen des Aufnahmelandes. Durch die effektive Verbindung von Flüchtlingsschutz und Entwicklung ist diese Arbeit ein wichtiger Forschungsbeitrag zur allgemeinen Flüchtlingspolitik. Durch die Analyse empirischer Fälle untersucht diese Forschung, wie Programme in flüchtlingsaufnehmenden Staaten unter Berücksichtigung der komplexen Gegebenheiten implementiert werden. Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen der Forschung richten sich an GeberInnen, EntscheidungsträgerInnen, ForscherInnen und PraktikerInnen, die sich mit der Planung und Verwaltung von Übergangsregelungen für syrische Flüchtlinge in Jordanien und anderen Flüchtlingskontexten befassen.

Gefördert durch die Heinrich-Böll-Stiftung
Laufzeit: seit Januar 2017

 

Werten Migranten ihr Quartier selbst auf? Investitions-, Eigentumsbildungs- und Sanierungsprozesse in Mikrozentren ethnischer Quartiere durch die migrantische Bewohnerschaft

Bearbeitung: Mehmet Çelik

„Migrantenviertel, ethnische Quartiere, Kolonien, Ghettos“ sind viele Bezeichnungen für das stadträumliche Segregationsphänomen der Herausbildung von städtischen Räumen, in denen sich bestimmte Migrantengruppen in deutschen Großstädten konzentrieren. In gesellschaftlichen oder politischen Debatten, aber auch in der Wissenschaft, sind diese Stadträume meist negativ konnotiert. Durch die Anwesenheit von Migranten wird das Viertel sowohl sozial als auch baulich als abgewertet angesehen. Gründerzeitliche Gebäude verkommen, Geschäfte stehen leer, es gibt einen negativen Imagewandel. Der Großteil ist sich mehr oder weniger einig: die Konzentration von Migranten in einem Stadtteil ist gleichzusetzen mit einer massiven Abwertung.

Städte oder Stadtquartiere sind jedoch dynamische Gebilde, die ständigen Änderungen unterliegen. Gerade auch in ethnischen Quartieren liefen und laufen sehr schnelle, vielschichtige Prozesse ab, die das Quartier nachhaltig verändern. Insbesondere in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren sind deutliche Änderungsprozesse zu erkennen. In den ethnischen Quartieren der Städte Aachen oder Köln sind beispielsweise Aufwertungsprozesse zu beobachten, die sich in Form von sehr aufwendig sanierten Gebäuden oder Ladenlokalen bemerkbar machen. Auch scheinen diese Viertel an Attraktivität zu gewinnen und Publikum von außerhalb an zu ziehen, sei es zum Wohnen, Einkaufen oder zum Freizeitvertreib. Erste Untersuchungen hierzu zeigen, dass die lokale, migrantische Bevölkerung für diese Aufwertungsprozesse verantwortlich ist. Es scheint, als ob die eigentlich für die Abwertung verantwortlichen Migranten nun das Viertel selbst aufwerten.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die bisherige wissenschaftliche Betrachtung ethnische Quartiere noch zeitgemäß ist. In diesem Dissertationsprojekt wird daher aktuell untersucht, ob es sich hierbei um eine neue Entwicklungsphase oder einen neuen Trend in ethnischen Quartieren handeln könnte. Im Rahmen der Arbeit werden zehn ethnische Quartiere in deutschen Großstädten untersucht. Einerseits werden dabei allgemeine, auch statistische Daten zu den jeweiligen Quartieren erhoben und themenspezifisch analysiert, andererseits aber auch durch qualitative Kurzinterviews mit lokalen Akteuren umfangreichere Daten erhoben. Insbesondere durch Interviews mit lokalen, migrantischen Hausbesitzern und Geschäftsinhabern sollen die Eigenschaften und Hintergründe der aktuellen Aufwertungsprozesse durch die lokalen Bewohner näher ermittelt werden.

Grundsätzlich dient diese Dissertation daher der Aufarbeitung der bisher wissenschaftlich wenig berücksichtigten Dynamik und aktuellen Prozesse ethnischer Viertel. Als Schwerpunkt werden dabei Aufwertungsprozesse in jenen Quartieren analysiert. Gleichermaßen soll die bisherige Betrachtung dieser Quartiere als Manifestation stadträumlicher Abwertungsprozesse, sowie die Betrachtung der dortigen Migranten als Segregationsopfer, aktualisiert und mithilfe neuer Erkenntnisse weiterentwickelt bzw. angepasst werden.

Laufzeit: 2015-2018

 

Transnationale soziale Räume und Place attachment lateinamerikanischer Absolventen

Bearbeitung: Claudia Lütkehoff

Im Rahmen der Debatten um Fachkräftemangel und der Zuwanderung hochqualifizierter Migranten, gelten internationale Hochschulabsolventen als eine Zuwanderungsgruppe mit besonders hohem Potenzial. Die Absolventen selbst zeigen ein hohes Interesse an einem Verbleib nach Studienabschluss, dennoch bleiben nur etwa die Hälfte tatsächlich in Deutschland. Diese Diskrepanz zwischen Bleibewunsch und tatsächlichem Verbleib soll daher Gegenstand des vorliegenden Promotionsprojektes sein. Die Phase des Übergangs vom Studium in den Arbeitsmarkt stellt eine wichtige Statuspassage dar, in der verschiedenste persönliche, karriere-bezogene und strukturelle Einflussfaktoren auf eine Verbleibe- oder (Re-)Migrationsentscheidung einwirken können. Insbesondere soll untersucht werden, welche Rolle dabei die individuellen transnationalen Räume und Place attachment spielen, um die Bedeutung des sozialen Umfeldes und der lokalen Gegebenheiten für die Migrationsentscheidung darzustellen. Um einer differenzierteren Berücksichtigung des jeweiligen Herkunftskontextes gerecht zu werden, wurde die bisher kaum beachtete Gruppe lateinamerikanischer Absolventen gewählt. Mittels qualitativer problemzentrierter Leitfadeninterviews werden die Bedingungen beim Übergang vom Studium in den Arbeitsmarkt aus Sicht der lateinamerikanischen Absolventen erfasst, um den Prozess der Bleibe- oder Rückkehrentscheidung besser nachvollziehen zu können.

Laufzeit: seit Oktober 2017